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Südafrika: Zwischen Wirtschaftskrise und Weltmeisterschaft
Seit der Veröffentlichung der Wachstumszahlen im Mai ist es amtlich: Afrikas größte Volkswirtschaft ist in die schlimmste Rezession seit siebzehn Jahren geschlittert. Allerdings mehren sich schon erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung. Und auch die Fußball-WM im nächsten Jahr wird positive Auswirkungen auf die Volkswirtschaft des Gastgeberlandes haben.
Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch vor Südafrika nicht Halt gemacht. Die exportorientierte Bergbau- und Automobilindustrie erlitt starke Einbrüche, und angesichts einer hohen Schuldenbelastung der Haushalte und steigender Arbeitslosigkeit schwächelt auch der private Konsum. Seit der Veröffentlichung der Wachstumszahlen im Mai ist es amtlich: Afrikas größte Volkswirtschaft ist in die schlimmste Rezession seit siebzehn Jahren geschlittert. Allerdings wird diese Rezession in ihrer Länge und Tiefe nicht mit den Rezessionen der 80er und 90er Jahre vergleichbar sein. Denn sie ist vor allem durch externe Faktoren und keine heimische soziopolitische Krise verursacht worden. Zudem gibt es schon erste positive Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung. Die starken Zinssenkungen der letzten Monate von rund 4,5% sowie fiskalische Stimulierungsmaßnahmen werden so zu einer Belebung des Wachstums schon in der zweiten Jahreshälfte beitragen. Nichtsdestotrotz wird die südafrikanische Volkswirtschaft in diesem Jahr real um rund 1,0% schrumpfen, bevor sie im nächsten Jahr wieder um rund 3% wachsen wird. Die Rückkehr zum langfristigen Trendwachstum von rund 4% wird für das Jahr 2011 erwartet.
Präsident Zuma steht vor großen Herausforderungen
Der ANC hat im April erneut einen deutlichen Wahlsieg errungen und verpasste die Zwei-Drittel-Verfassungsmehrheit nur um Haaresbreite. Die neu gegründete Partei COPE hingegen, die sich im Oktober vom ANC abgespalten hatte, konnte nur 8% der Stimmen für sich gewinnen und hat somit die Parteienlandschaft in Südafrika nicht groß verändert. Unter Jacob Zuma werden weder die Hoffnungen auf eine schnelle Reduktion der Armut noch die Befürchtungen eines extremen Linksrucks, die im Vorfeld der Wahl mit seiner Präsidentschaft verknüpft wurden, Wirklichkeit werden. Die Besetzung des Chefpostens der neuen nationalen Planungskommission mit dem hoch angesehenen und langjährigen Finanzminister Trevor Manuel spricht für eine Kontinuität der bisherigen Wirtschaftspolitik. Allerdings birgt eine Arbeitslosenquote von 23,5% enormen sozialen Zündstoff. Jüngste gewaltsame Protestwellen in den Townships zeigen, wie schwierig es für Jacob Zuma sein wird, die Balance zwischen Erfüllung von Wahlversprechen und Einhaltung einer stabilitätsorientierten Wirtschaftspolitik zu halten.
Robustes Finazsystem
Abgeschirmt durch rigide Regulierung vor allem bezüglich Fremdwährungsgeschäfte haben die südafrikanischen Banken die globale Finanzkrise bisher relativ unbeschadet überstanden. Die derzeitige schlechte Wirtschaftslage schlägt sich aber dennoch in der steigenden Anzahl notleidender Kredite nieder. Die „großen Vier“, Standard Bank, Absa, FirstRand und Nedbank, dominieren mit einem Marktanteil von 84% weiterhin den südafrikanischen Bankensektor. Als mächtigste Banken auf dem ganzen afrikanischen Kontinent werden sie ihre Expansionspläne in Afrika weiter vorantreiben und ihren Fokus auf die erstarkenden Handelsbeziehungen zwischen Afrika und Asien legen. Auch die Geld- und Währungspolitik Südafrikas hat sich in der Krise bewährt. Aufgrund des flexiblen Wechselkursregimes wurde der Rand durch die Finanzkrise zwar auf eine regelrechte Berg- und Talfahrt geschickt. Da südafrikanische Haushalte und Unternehmen keinen großen Anteil ihrer Kredite in Fremdwährung aufgenommen haben, hielten sich die negativen Folgen der enormen Wechselkursschwankungen in Grenzen. Als eine der traditionell volatilsten Währungen der Emerging Markets wird der Rand auch in Zukunft größeren Schwankungen unterliegen. Insbesondere niedrigere Preise für Platin und Gold oder Abflüsse von Portfolioinvestitionen würden erneut zu einer Schwächung des Rand führen. Der südafrikanische Aktienmarkt, der zu den 20 größten und liquidesten Aktienmärkten weltweit zählt, blieb nicht von den Folgen der globalen Wirtschaftskrise verschont, konnte aber die Verluste in den letzten Monaten jedoch fast vollständig wieder gut machen. Führt der neue Anlauf von Indiens und Südafrikas führenden Mobilfunkanbietern (MTN und Bharti Airtel) zu einer Megafusion zum Erfolg, wäre dies mit einem geschätzten Volumen von 16 Milliarden Euro in diesem Jahr eine der weltgrößten Fusionen.
Deutschland als wichtiger Partner
Deutschland ist mit einem Handelsvolumen von rund 12 Milliarden Euro Südafrikas zweitwichtigster Außenhandelspartner nach China. Zudem fließen viele Direktinvestitionen von Deutschland in die gut diversifizierte südafrikanische Volkswirtschaft. Schwerpunktbranchen hierbei sind vor allem der durch aktive Industriepolitik geförderte Automobilsektor, die chemische Industrie, der Maschinenbau sowie die Elektrotechnik. Etwa 600 deutsche Firmen, darunter nahezu alle größeren deutschen Unternehmen, haben mittlerweile eine Niederlassung in Südafrika.
Positive Auswirkungen der Fußball-WM
Das diesjährige Kricketturnier und der Fußball-Konföderationscup waren wichtige Generalproben für die WM im nächsten Jahr. Schätzungen des kurzfristigen Wachstumseffektes der WM liegen zwar nur bei rund 0,5% mehr Wachstum, da der Tourismus aufgrund gewisser Verdrängungseffekte nicht übermäßig profitieren wird. Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, wie etwa die neue Zugverbindung zwischen Johannesburg und Pretoria, werden allerdings langfristig positive Auswirkungen auf Südafrikas Wachstumspotential haben. Zudem besteht auch die Hoffnung auf einen deutlichen Imagegewinn Südafrikas, ganz nach dem Beispiel Deutschlands und dem Fußballsommermärchen in Jahr 2006.
Quelle: capetown-online
Geschrieben von:
Marion Mühlberger,
Deutsche Bank
Research/Economics
Global Risk Analysis Group/Eastern Europe & Africa
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