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Afrika spielt in der Weltwirtschaft kaum eine Rolle, doch das könnte sich bald ändern: Große Beratungsfirmen prophezeien dem Kontinent einen kräftigen Aufschwung. In manchen Bereichen könnte das Wachstum dreimal so hoch ausfallen wie in den Industriestaaten - Investoren erzielen Traumrenditen.
Afrika ist nicht verloren, auch wenn es jahrzehntelang so aussah. Nach einer langen Zeit des Stillstands, des Hungers und der Kriege besteht nun wieder Hoffnung für den Kontinent. Das geht zumindest aus den Studien zweier großer Beratungsgesellschaften hervor. Darin zeichnen die Experten ein überaus positives Bild der afrikanischen Wirtschaft, mit guten Gewinnerwartungen, kräftigen Wachstumsaussichten und Perspektiven auf eine dauerhafte Dynamik.
Der Grund ist längst nicht nur die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Vielmehr hat sich der ganze Kontinent neu aufgestellt. "Die Ertrag ausländischer Investitionen in Afrika ist höher als in jeder anderen Entwicklungsregion", schreiben etwa die Volkswirte von McKinsey in ihrem soeben erschienenen Vierteljahresbericht.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:
- Afrika sei eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsregionen weltweit.
- 27 der 30 größten Volkswirtschaften des Kontinents hätten in den vergangenen zehn Jahren ein spürbares Wachstum erzielt.
- Das durchschnittliche Plus von 2,7 Prozent pro Jahr erstrecke sich über alle Sektoren.
- Insgesamt habe der Kontinent im vergangenen Jahrzehnt sein Wachstumstempo im Vergleich zu den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts verdoppelt.
Schlüsselindikatoren sind für die McKinsey-Experten die rasante Verstädterung des Kontinents, der wachsende Anteil produzierender Firmen und die wachsenden Mittelschichten in vielen Ländern. So habe Afrika zwar weniger Einwohner, aber mehr Mittelklasse-Haushalte als etwa Indien. Diese Verbraucher würden in hohem Maße lokale Produkte nachfragen und so das Wachstum ankurbeln.
Laut McKinsey sind vor allem drei Punkte ausschlaggebend:
- die Bemühungen der Politik, bewaffnete Konflikte zu beenden,
- die verbesserten makroökonomischen Rahmenbedingungen
- und die nationalen Reformen in vielen Ländern, die mit zahlreichen Liberalisierungen das Geschäftsklima aufgehellt hätten.
Vor allem aber fließe inzwischen eine Menge internationalen Kapitals nach Afrika. Die Direktinvestitionen seien von neun Milliarden Dollar im Jahr 2000 auf 62 Milliarden Dollar 2009 angestiegen. Das besondere daran: Längst geht es nicht nur um eine Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Sehr viel Geld fließt auch in den Tourismus, in den Bausektor sowie in den Banken- und Telekommunikationsbereich.
Traumhafte Renditen für Investoren
Zu ganz ähnlichen Resultaten kommt die Boston Consulting Group (BCG) in ihrer Afrika-Analyse. Die Berater haben sich die größten afrikanischen Unternehmen genauer angeschaut. Ergebnis: Die Top-500 seien seit 1998 durchschnittlich mehr als acht Prozent jährlich gewachsen. Die 40 größten von ihnen träten auf dem Weltmarkt sogar als Konkurrenten zu brasilianischen, chinesischen oder indischen Großunternehmen auf.
Auch die Finanz- und Wirtschaftskrise hätten die afrikanischen Volkswirtschaften besser überstanden als amerikanische oder europäische Ökonomien, schreiben die Boston-Experten. Während sich das Wachstum dort in ein Minus verwandelte, hätte Afrika im Schnitt noch ein Plus von zwei Prozent verzeichnet.
Aber was heißt das für die Zukunft? Kann Afrika sein hohes Wachstum auch in den kommenden Jahren halten?
Tatsächlich sind die Aussichten nach Meinung der Experten durchaus rosig. So attestieren die McKinsey-Leute dem Kontinent ein beachtliches Potential. Bis 2040 werde jeder fünfte junge Mensch in Afrika leben, die schiere Masse an Arbeitskräften werde selbst diejenige Chinas übersteigen. Außerdem verfüge Afrika über 60 Prozent der ungenutzten Landwirtschaftsflächen weltweit und über ein gewaltiges Reservoir an Rohstoffen. Die verbrauchernahen Sektoren wüchsen zwei- bis dreimal schneller als jene in den OECD-Ländern. Und die Kapitalverzinsung der Investitionen sei deutlich höher als in jeder anderen Entwicklungsregion der Welt.
So viel Optimismus zu Afrika war selten. "Globale Entscheider und Investoren können es sich nicht erlauben, das zu ignorieren", befindet McKinsey abschließend.
Außerdem mahnen die McKinsey-Experten, dass die dringend erforderlichen Verbesserungen im Gesundheits- oder Bildungsbereich in vielen afrikanischen Ländern längst nicht mit dem Wirtschaftswachstum mithalten können. Auch die Landwirtschaft ist trotz ausgezeichneter Voraussetzungen noch immer ein Fall für Hilfe von außen.
Und so versehen die grundsätzlich optimistischen McKinsey-Ökonomen ihren Report mit der Einschränkung, dass sie nicht sicher prognostizieren können, ob der Boom auch ein dauerhafter ist - oder am Ende nur eine vorübergehende Erscheinung. Denn schon einmal, während des Ölbooms der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, wuchs die Wirtschaft rasant - um danach fast vollständig zu kollabieren.
Quelle:
Spiegel 24.06.2010
Geschrieben von:
Honrad Knaup
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